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> Bitte um kurzfristigen Rat (Cannabis MPU heute 9:30 Uhr)
Dorean
Beitrag 02.12.2019, 02:34
Beitrag #1


Neuling


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Hallo,

wie bereits im Titel geschrieben habe ich heute um 9:30 Uhr meinen MPU Termin, allerdings werde ich ihn wohl absagen müssen. Ich habe die MPU deutlich zu sehr auf die leichte Schulter genommen, was vor allem daran liegt dass ich seit Beginn meiner Abstinenz vor eineinhalb Jahren mein Leben tatsächlich massiv verändert habe und, so blöd es klingt, viele imaginäre Gespräche mit dem Gutachter geführt habe.

Das Problem ist jedoch dass bei mir definitiv eine fortgeschrittene Drogenproblematik vorlag, ich jedoch keine suchttherapeutische Maßnahme/Äquivalentes nachweisen kann. Mir war bis gestern nicht bewusst dass das ein KO Kriterium ist. (?)

Deshalb meine erste Frage, bei der ich mich über eine kurzfristige Antwort sehr freuen würde obwohl ich mir der Antwort bereits ziemlich sicher bin, ist das fehlen eines entsprechenden Nachweises tatsächlich ein hartes KO Kriterium?

Und meine zweite, nicht dringende Frage wäre welche nächsten Schritte für mich empfehlenswert wären? Ich gehe davon aus dass ich eine suchttherapheutische Maßname machen muss und anschließend wieder 12 Monate Abstinenz nachweisen muss?
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ulm
Beitrag 02.12.2019, 06:30
Beitrag #2


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Herzlich willkommen im verkehrsportal! wavey.gif

Ja, Du meldest Dich viel zu spät. Und mit viel zu wenigen Informationen. Daher kann man Dir leider keine wirklich verbindliche Antwort geben.

Ohne Deine Hintergründe zu kennen, würde ich in dieser Situation einfach nur überlegen, ob ich jetzt einfach sage "Okay, die 500 Euro für die MPU riskiere ich jetzt und bin offen und ehrlich". Außer diesem Geld kannst Du nichts verlieren.

Wichtig ist, wenn Du nicht absagst, nur eines: Alle Ausfertigungen des Gutachten müssen zu Dir geschickt werden, nicht direkt an die Führerscheinstelle.

...und 12 Monate Abstinenz zusammen mit Deinen "Selbstgesprächen" können reichen. Ohne Deine Hintergründe zu kennen, gibt es keinen Zwang zu einer Suchttherapie. Du hast es doch auch jetzt schon so 12 Monate ohne geschafft.
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Kai R.
Beitrag 02.12.2019, 11:33
Beitrag #3


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in jedem Fall wäre es ausreichend, wenn nach der Maßnahme noch 6 Monate AB nachgewiesen werden.

Zur "fortgeschrittenen Problematik" können wir nichts sagen, da wir ja die Hintergründe nicht kennen.


--------------------
Grüße

Kai
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Dorean
Beitrag 02.12.2019, 16:16
Beitrag #4


Neuling


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Zitat (ulm @ 02.12.2019, 06:30) *
Herzlich willkommen im verkehrsportal! wavey.gif

Ja, Du meldest Dich viel zu spät. Und mit viel zu wenigen Informationen. Daher kann man Dir leider keine wirklich verbindliche Antwort geben.

Ohne Deine Hintergründe zu kennen, würde ich in dieser Situation einfach nur überlegen, ob ich jetzt einfach sage "Okay, die 500 Euro für die MPU riskiere ich jetzt und bin offen und ehrlich". Außer diesem Geld kannst Du nichts verlieren.

Wichtig ist, wenn Du nicht absagst, nur eines: Alle Ausfertigungen des Gutachten müssen zu Dir geschickt werden, nicht direkt an die Führerscheinstelle.

...und 12 Monate Abstinenz zusammen mit Deinen "Selbstgesprächen" können reichen. Ohne Deine Hintergründe zu kennen, gibt es keinen Zwang zu einer Suchttherapie. Du hast es doch auch jetzt schon so 12 Monate ohne geschafft.


Erst mal vielen Dank für die Antwort. Ich habe den Termin nun abgesagt, "glücklicherweise" bin tatsächlich erkältet und habe einen Ausweichtermin für nächste Woche Montag ausmachen können, welchen ich natürlich nur wahrnehmen werde wenn meine Chancen gut stehen.

Ich schreibe hier mal eine Kurzfassung meiner Geschichte, gerne reiche ich einen Fragebogen nach, allerdings finde ich gerade nur den Kurzfragebogen mit 5 Fragen. Könntest du mir sagen wo ich den vollständigen Fragebogen finde?

Also, 2014 wurde ich angehalten mit 4 ng/ml THC und 120 ng/ml THC-COOH. Habe dann einen Abstinenznachweis angefangen der positiv ausgefallen ist, was daran lag dass ich zum Zeitpunkt der Haarentnahme nur ca 7 Monate abstinent war. Habe das ganze trotzdem abgebrochen weil die Fertigstellung der MPU zeitlich mit meinem Auslandsjahr nach dem Abi kollidiert hätte, welches mir zu dem Zeitpunkt wichtiger war.

Jedenfalls habe ich danach bis Mai 2018 zwar mit Pausen, aber teilweise sehr enthemmt weiterkonsumiert und in der Zeit zwei Studiengänge abgebrochen. Neben meiner beruflichen Entwicklung hat der Konsum von Cannabis eigentlich auch sonst jeden Bereich meines Lebens negativ beeinflusst. Der Konsumgrund war in den letzten Jahren eigentlich rein die Verdrängung meiner Probleme.

Seit Beginn meiner Abstinenz habe ich ein gut angesehenes, technisches Studium begonnen welches gut läuft, viele neue Freunde gefunden die von deutlich höherer Qualität sind als meine vorherigen Bekanntschaften und generell einen gesunden Alltag entwickelt. Zudem habe ich gute Berufsaussichten und bin ehrgeizig was meine Zukunft angeht.

Ich habe vorgestern die "MPU Anleitung für alle Anlassgruppen" von Björn Schüller gelesen, und dort steht:

Zitat
Voraussetzungen zum Bestehen einer MPU bei fortgeschrittener
Drogenproblematik:
1. Kriterium: Eine suchttherapeutische Maßnahme, eine
Psychotherapie oder ein fachlicher Beratungsprozess haben die
persönlichen Voraussetzungen für eine stabile Abstinenz geschaffen, die bereits von ausreichender Dauer und
nachvollziehbar dokumentiert ist.

Indikatoren:

[...]

o Der Klient hat eine für ihn passende suchttherapeutische
Maßnahme absolviert und erbringt einen Nachweis hierüber.

o Innerhalb dieser Maßnahme oder bei einer
Drogenberatungsstelle wurden die persönlichen Ursachen für
den Drogenmissbrauch aufgearbeitet.

[...]


Meines Erachtens nach erfülle ich alle Kriterien bis auf 1. und dort eben nur die beiden aufgeführten Punkte nicht.

Lediglich das Vorliegen einer Drogengefährdung zu argumentieren stelle ich mir schwierig vor. Ich werde aber meine Geschichte später gerne im Detail angeben, habe nur den richtigen Fragebogen auch nach Suchen nicht gefunden.
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ulm
Beitrag 02.12.2019, 16:21
Beitrag #5


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Erst einmal gute Besserung!

Der Kurzfragebogen reicht für den Einstieg vollkommen aus.
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Kai R.
Beitrag 02.12.2019, 16:34
Beitrag #6


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nach dem, was Du schreibst, muss man nicht von einer fortgeschrittenen Problematik ausgehen, zumal man ja auch nicht alles sagen muss, was war. Da Deine MPU ggf. in einer Woche ist, bekommst Du gleich den großen Bogen: FAQ: MPU-Fragebogen (Drogen)


--------------------
Grüße

Kai
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Dorean
Beitrag 07.12.2019, 21:27
Beitrag #7


Neuling


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So, habe den Fragebogen jetzt fertig ausgefüllt. Hatte doch etwas länger gedauert.. Ich würde mich jedoch trotzdem sehr freuen wenn sich jemand die Zeit nehmen könnte mal darüber zu schauen. Ich möchte mich an der Stelle auch herzlich für die bereits geleisteten Ratschläge bedanken, dieses Forum ist eine echte Goldgrube und das Engagement der Mitglieder sehr bewundernswert. Ich werde auf jeden Fall mein Gutachten hochladen und von meinen weiteren Erfahrungen berichten um etwas zurückzugeben.

Wie alt sind Sie?

24

In welchem Bundesland leben Sie?

Bayern

O. Warum sind Sie heute hier?

1. Was ist passiert? Beschreiben Sie den Anlass Ihrer Auffälligkeit aus eigener Sicht mit Datum und Uhrzeiten.
(Wie ist der Verstoß aufgefallen? Kam es zu einer Fahrt? Was wurde festgestellt/gefunden?)

Siehe 3.

2. Wie viel und was haben Sie am Tag der Auffälligkeit Konsumiert?
(Genaue Angaben über sämtliche psychoaktive Substanzen, z. B. illegale Drogen, Alkohol, Medikamente; Mengen und Zeiten)

Am Tag der Auffälligkeit habe ich Mittags einen Joint geraucht, um 14 Uhr bin ich mit dem Fernbus nach München losgefahren. Die Woche davor habe ich relativ viel konsumiert da ich einen Freund in Berlin besucht hatte der damals selber viel konsumiert hat.

3. Mit welchem Gedanken sind Sie losgefahren (geplante Strecke, tatsächliche Strecke, Besonderheiten wie Ausfallerscheinungen oder Unfall)?

Ich bin mit dem Fernbus in München aus Berlin angekommen wo ich einen Freund besucht hatte. Das Auto hatte ich in der Nähe der Autobahn abgestellt, die Strecke nach Hause wären ca 60 km gewesen. Ursprünglich hatte ich vor im Auto zu schlafen und am nächsten Morgen loszufahren, da ich auch ziemlich müde war. Ich bin jedoch etwa eine halbe Stunde wachgelegen und habe mich dann entschlossen doch nach Hause zu fahren. Ich habe das Navigationssystem nicht eingeschaltet da ich dachte die Autobahnauffahrt auch in der Dunkelheit finden zu können, habe mich dann aber verfahren. Ich habe dann während des Fahrens das Navigationssystem bedient, währenddessen bin ich einer Polizeistreife aufgefallen weil ich deshalb nur 20 km/h gefahren bin.
Ein Alkoholschnelltest war negativ, eine Urinprobe jedoch positiv auf Cannabis. Auf dem Revier haben sich Blutwerte von 4,0 ng/ml THC und 110 ng/ml THC-COOH ergeben. Cannabis wurde keines gefunden.

4. Was verstanden Sie unter Trennung von Konsum und Verkehrsteilnahme? Gab es entsprechende Vorsätze? Bzw. wie haben Sie den Konflikt zwischen dem Drogenkonsum und dem Führen eines Kraftfahrzeuges gelöst?

Nachdem ich konsumiert hatte wollte ich nicht mehr am selben Tag fahren, bin aber gelegentlich auch nach 4 - 5 Stunden wieder gefahren wenn ich unerwartet fahren musste/wollte.

5. Haben Sie die Fahrt vermeiden wollen?

Ja, ich habe versucht im Auto zu schlafen. Das wäre jedoch ohnehin nicht ausreichend gewesen.

6. Haben Sie bereits früher im Straßenverkehr unter Drogeneinfluss gestanden und sind aufgefallen?

Nein

7. Wie oft haben Sie unter Drogeneinfluss am Straßenverkehr teilgenommen ohne aufzufallen und was folgern Sie daraus?

Wenn ich die Zahl meiner gesamten Fahrten die innerhalb von 48 Stunden nach Cannabis-Konsum stattgefunden haben überschlage komme ich hier auf deutlich über 500 Fahrten. Deshalb hier meine Frage, ist das richtig die Fahrten so zu kalkulieren?

Exploration

8. Wie sah Ihr Konsummuster aus?
(was und wie viel wurde in welchem Zeitraum auf welche Weise und ggf. in welcher Reihenfolge konsumiert; sämtliche psychoaktive Substanzen, z. B. illegale Drogen, Alkohol, Medikamente)

Mein Konsummuster war über die Jahre relativ inkonsistent. Ich habe mehrere Male aufgehört Cannabis zu konsumieren (Anfang der 12. Klasse, Jeweils zu Anfang meiner beiden abgebrochenen Studiengänge).
Im Anschluss an die abgebrochenen Studiengänge habe ich mir beide Male einen Job gesucht und dort vollzeit gearbeitet. Hier habe ich dann fast jeden Tag nach der Arbeit gekifft. Ich hatte zu der Zeit auch nicht viele Freunde und habe, selbst wenn ich nicht konsumiert habe, nicht wirklich gewusst was ich mit mir anfangen soll. Cannabis war hier für mich einerseits ein Zeitvertrieb und hat mir andererseits geholfen, die Pflichten und die Verantwortung auszublenden die das Erwachsenwerden mit sich bringt.

9. Wann haben Sie das erste Mal konsumiert (Datum)? Wie hat sich Ihr Konsum seitdem entwickelt? (Phasen, Substanzen, Mengen)?

Das erste Mal habe ich mit 16 in den Sommerferien 2010 konsumiert. Ich bin damals in einen neuen Freundeskreis gekommen die dies manchmal gemacht haben, da habe ich dann auch mitgemacht. Allerdings war es damals noch relativ selten, 1 - 2 mal im Monat haben wir gekifft wenn wir uns getroffen haben.
Ab dem Frühling 2011 haben wir dann fast jedes Wochenende konsumiert. Phasenweise haben wir auch öfters unter der Woche konsumiert, jedoch haben meine schulischen Leistungen nicht darunter gelitten.
Der Konsum ging dann so weiter bis 2013, wo ich langsam aus dem Freundeskreis herausgefallen bin.
Ich habe dann auch immer öfter alleine konsumiert. Ich habe zwar nie gekifft bevor ich in die Schule/Uni oder zur Arbeit bin, allerdings habe ich Abends dann fast immer geraucht.

10. Was war Ihnen zu Beginn des Konsums über die Wirkungen, Nebenwirkungen und Folgen des Konsums ihrer Droge bekannt?

Ich war damals sehr unbewusst was Cannabis anging. In meinem Freundeskreis galt Cannabis als natürliche Droge und über die Nebenwirkungen habe ich mir zu Beginn wenig bis keine Gedanken gemacht.

11. Wo und mit wem haben Sie überwiegend konsumiert?

Zunächst immer nur mit meinem Freundeskreis, im Sommer immer draußen in der Natur und im Winter bei mir oder einem meiner Freunde zuhause.
Später dann habe ich zunehmend alleine konsumiert, am Ende habe ich nur noch ungern mit anderen Leuten konsumiert da ich immer wenn ich geraucht hatte zum grübeln anfing und unsicher wurde.

12. Warum haben Sie Drogen genommen?
(Innere + äußere Motive: Welche persönlichen Hintergründe gab es für den Drogenkonsum? Welchen Zweck haben die Drogen erfüllt? Welche Auslöser haben Sie zum Konsum veranlasst?)

Mein erster Kontakt mit Cannabis war durch eine Gruppe zu der ich dazugehören wollte. Dadurch habe ich für mehrere Jahre Cannabis als etwas aufregendes und cooles betrachtet. Wir haben uns denke ich alle etwas "besonders" gefühlt weil wir gekifft haben. Zudem fand ich die Wirkung damals schön. Als ich mit ~20 den Kontakt zu dieser Gruppe verlor, wollte ich damit die "guten" alten Zeiten wieder erleben. Die letzten 2-3 Jahre des Konsums habe ich hauptsächlich geraucht um meiner Verantwortung zu entfliehen. Mir war bewusst dass ich mit meinem Leben nichts anfange, wenn ich jedoch konsumiert habe war mir das ziemlich egal. Zudem kam, dass mein Leben durch die Jahre des Konsums ziemlich "leer" war, es war schwierig aus den alten Mustern herauszubrechen weswegen ich immer wieder damit anfing zu Konsumieren obwohl mir damals schon klar war dass mich der Konsum mittelfristig nur unglücklicher macht.

13. Was ist unter Alkohol- bzw. Drogeneinfluss anders?

Probleme das Alltags werden in den Hintergrund gerückt, es fällt viel leichter im Moment zu leben. Alles macht etwas mehr spaß/fühlt sich besser an, es ist im Endeffekt wie eine rosa Brille.
Rückblickend betrachtet hat mich der langfristige Konsum vor allem gleichgültiger und träger gemacht.

14. Warum haben Sie nicht schon früher eine Lösung gesucht?

Ich habe mehrere Male aufgehört, bin aber immer wieder in alte Muster gerutscht da ich für eine erfolgreiche Lösung des Problems einen kompletten Lifestyle-Wandel vollziehen hätte müssen, was ich nie ganz geschafft habe.

15. Was wissen Sie heute über Drogen (Wirkung, Auf- und Abbau , Wechselwirkungen mit anderen Drogen, Rechtliche Konsequenzen)?

Drogen sind im Endeffekt nur Chemikalien die dem Gehirn signalisieren dass es bestimmte Botenstoffe auszuschütten habe (bzw wirken viele Drogen auch direkt), was je nach Droge kurzfristig zu einer Reihe von subjektiv angenehmen Gemütszuständen führen kann. Bei wiederholtem Kosum verändert sich jedoch langfristig die Gehirnchemie was zum Teil irreversible Wesensveränderungen nach sich ziehen kann.
Sobald eine Droge in die Blutlaufbahn gerät macht sich der Körper daran diese abzubauen. Im Detail ist mir der Mechanismus nicht bekannt.
Aus eigener Erfahrung weiß ich nun um das destruktive Potential von Drogen, vor allem ist mir bewusst wie leicht man in die Falle gerät sich mithilfe von Drogen von unangenehmen Realitäten abzuschirmen. Dies führt allerdings nur dazu die Situation auf allen Ebenen zu verschlechtern.
Rechtlich gesehen ist der Besitz von Betäubungsmitteln natürlich strafbar.

16. Haben Sie Drogen zusammen mit Alkohol konsumiert?

Ich habe ein einziges mal mit 18 nach zwei Bier bei einem Joint mitgeraucht und mich dann mehrere Stunden übergeben. Durch diese Erfahrung nie wieder.

17. Welche Auswirkungen und Folgen hatte Ihr Drogenkonsum auf Ihr Leben und Ihr Umfeld? Haben Sie bei sich negative Folgen festgestellt und haben Sie trotz negativer Folgen weiter konsumiert?

Rückblickend kann ich sagen dass Cannabis mich gleichgültiger, träger und introvertierter gemacht hat. Dies war ein äußerst schleichender Effekt und der "Abbau" dieser Veränderungen hat auch sehr lange gedauert (6 Monate+).
Das Ausmaß dieser Veränderungen war mir jedoch zur Zeit des Konsums nicht voll bewusst. Ich hatte immer gewisse Ambitionen aber war nie wirklich "hungrig" darauf, es war viel mehr Träumerei. Ich habe meine Ziele erst in die echte Welt geholt als ich gelernt habe meine Verantwortung ernst zu nehmen.

18. Wie hat sich Ihr Umfeld über Ihren Drogenkonsum geäußert?

Ich habe eigentlich von allen Seiten die meinen Konsum mitbekommen haben gehört dass mir das nicht gut tut. Ich habe das immer abgewunken weil ich das Gefühl hatte mein Leben doch unter Kontrolle zu haben. Ich war in der Schule stets Klassenbester und auch im Studium war ich in der Lage Leistung zu bringen. Die beiden abgebrochenen Studiengänge habe ich nicht wegen mangelnder Leistung abgebrochen sondern weil sie für mich die falsche Option waren, also nicht in dem Bereich waren in dem meine Stärken liegen.

19. Gab es Zeiten mit Konsumverzicht (Konsum- und/oder Trinkpausen)? Wenn ja, warum?

Ja mehrere Male. Ich habe beide Male als ich mein Studium angefangen habe im Sommer davor aufgehört zu konsumieren. Der Grund dafür war dass ich Cannabis als Ablenkung gesehen habe und mich auf mein Studium konzentrieren wollte. Ich habe jedoch bei beiden Studiengängen recht schnell festgestellt dass sie nicht meinen Vorstellungen entsprachen. Den ersten Studiengang habe ich noch im Herbst abgebrochen, den zweiten Studiengang habe ich lediglich gewechselt, habe aber auch nach den ersten zwei Monaten keine Vorlesungen mehr besucht und stattdessen Vollzeit bis zum nächsten Wintersemester gearbeitet. Mit dem arbeiten habe ich dann gleichzeitig auch wieder mit dem kiffen angefangen.

20. Wie bewerten Sie Ihren Konsum auf einer Skala von 1-10 (1=Abstinenzler->10=Abhängiger)?
(mit Begründung)

8, ich habe zwar viel gekifft aber die Droge war für mich immer nur ein Mittel zum Zweck. Der Zweck war vor meiner Verantwortung wegzulaufen. Ich konnte einfach nicht so gut mit dem Druck umgehen den das Erwachsenwerden mit sich bringt und Cannabis war eine Möglichkeit dem Druck zu entfliehen.

21. Waren Sie gefährdet in eine Drogenabhängigkeit zu geraten?

Jein. Ich war in gewisser Weise abhängig, aber nur weil ich weder Hobbys noch Freunde hatte und diese Leere teilweise mit Cannabis "behandelt" habe. Ich wollte immer etwas mit meinem Leben anfangen. Außerdem hat mir die Wirkung von Cannabis schon länger gar nicht mehr wirklich gefallen.

22. Haben Sie sich an jemand um Hilfe gewandt, um den Drogenkonsum zu beenden? (Warum, wann, wer)? Was haben etwaige Kurse oder MPUs im Vorfeld bei Ihnen bewirkt?

Ich habe im Internet nach Rat gesucht und dort verschiedene Communities gefunden in denen es darum geht mit dem Kiffen aufzuhören. Die Erfahrungsberichte und Tipps haben mir viel geholfen, auf der einen Seite stecken viele im selben Boot wie ich selber und hatten die selben Probleme wie ich, und dann gibt es auch Leute die das alles schon hinter sich haben und von ihrem neuen Leben berichten.

Heute und in Zukunft

23. Was konsumieren Sie seitdem und wie viel (Drogen, Alkohol, Medikamente)?

Ich konsumiere manchmal noch Alkohol aber nicht mehr als 3 - 4 Biere wenn ich abends mit Freunden weggehe. Generell gefällt mir die Wirkung von Alkohol nicht besonders.

24. Wann war der letzte Konsum illegaler Drogen?

Im Mai 2018.

25. Wieso haben Sie sich für eine Abstinenz entschieden? bzw. Wieso kommt für Sie nur Abstinenz und nicht gelegentlicher Konsum in Betracht? Warum nicht schon eher?

Einerseits möchte ich mit dem Milieu und den Leuten dort einfach nichts mehr zu tun haben. Mit den meisten Leuten die in meinem Alter noch kiffen habe ich absolut nichts gemeinsam, und auch wenn das vielleicht ein bisschen hart klingt kommen die mir vor wie Versager ohne richtige Zukunft.
Und ich habe generell einfach mit dem Kiffen abgeschlossen. Ich habe gar kein Bedürfnis mehr mich vor meiner Verantwortung zu drücken. So paradox es klingt, ich empfinde es als große Befreiung meine Verantwortung zu erfüllen, denn das ist für mich echte Freiheit: nach einem produktiven Tag ganz ohne schlechtes Gewissen mit den Leuten die ich lieb habe Spaß haben. Als ich noch konsumiert habe hatte ich keinen einzigen Moment mit wahrhaft reinem Gewissen.

26. Beschreiben Sie den Punkt, an dem Sie sich für ein abstinentes Leben entschieden haben (Knackpunkt)?

Die Zeit vor meinem 23. Geburtstag war eine sehr dunkle für mich, ich hatte praktisch keine Freunde und keine Hobbys, hatte seit zwei Jahren nichts mehr mit einer Frau, habe nur zuhause abgehangen und vor dem Bildschirm gekifft. Meine Wohnung war unordentlich, ich habe mich ungesund ernährt, keinen Sport gemacht, hatte einen Scheißjob und fast kein Geld, zwei abgebrochene Studiengänge und stand gefühlt vor einem gescheiterten Leben. Und dann bin ich 23 Jahre alt geworden. Da sind viele Leute schon "erwachsen", haben einen tollen Job und führen ein selbstbestimmtes Leben. Im Gegensatz dazu war ich ein Sklave meiner niedersten Triebe und habe absolut nichts dafür getan im Leben voranzukommen.

Was ich an der Stelle vielleicht dazusagen muss ist dass ich immer gedacht hatte dass mal "was aus mir wird". Viele meiner Familienmitglieder sind finanziell sehr erfolgreich und ich war früher meist Klassenbester. Wenn mein 18 jähriges Ich den 23 jährigen Versager gesehen hätte zu dem ich mich entwickelt hatte, hätte er es nicht glauben können.

Kurzum, ich habe mein Leben nicht mehr ausgehalten und musste etwas tun, deswegen habe ich 2-3 Tage nach meinem 23. Geburtstag mit dem kiffen aufgehört.


27. Welche Veränderungen haben sich in Ihrem Leben dadurch ergeben (persönlich / Umfeld, Freund & Bekannte, Familie, Beruf ...)?

Ich habe ein anspruchsvolles Studium begonnen und habe damit sehr guten Erfolg. Ich halte meine Wohnung und Umgebung in Ordung, ich habe zahlreiche neue Freunde gefunden, ich habe wieder Erfolg mit Frauen. Meine Großeltern (die in der Nähe wohnen und ich dadurch öfters sehe) die nicht wirklich von meinen Drogenproblemen wussten haben mir nach ca 6 Monaten Abstinenz erzählt dass ich mich sehr toll entwickelt habe und dass sie sehr stolz auf mich sind. Das war für mich eine große Bestätigung dass meine innerliche Veränderung auch nach außen stark sichtbar war.
Zudem ist mein Verhältnis zu meiner Familie im allgemeinen deutlich herzlicher geworden. Meine Eltern vor allem sind seid langem wieder stolz auf mich und machen sich keine Sorgen mehr um meine Zukunft.
Kurzum, jeder Bereich meines Lebens ist in besserem bis deutlich besserem Zustand, ich bin deutlich sicherer in meinem Auftreten und ich habe ein deutlich besseres Selbstbewusstsein, zudem bin ich glücklicher und zufriedener.

28. Wie haben Sie die Umstellung zur Abstinenz erlebt? Was war schwierig, was war leicht?

Nicht mehr zu kiffen war eigentlich recht einfach. Auch wenn ich Lust darauf hatte, hat mich der Gedanke daran gleichzeitig extrem angewidert. Viel schwieriger war es mein Leben mit neuen Inhalten und Freunden zu füllen. Dieser Prozess hat viele Monate gedauert und dauert in gewissem Sinne sogar noch an.
Rückblickend kann ich sagen dass ich immer daran gescheitert bin mein Leben nachhaltig umzustellen weil ich das nicht geschafft habe. Hier hat mir die durch die MPU auferlegte Abstinenz geholfen.

29.Welche(s) Beispiel(e) können Sie nennen, dass/die die Richtigkeit des jetzigen Konsums unterstreicht?

Neben den bereits genannten positiven Veränderungen, die ich unter keinen Umständen gefährden möchte, bin ich mental einfach deutlich leistungsfähiger.

30. Wie verhalten Sie sich heute in Situationen, wo Sie früher Drogen konsumiert haben?

Ich gehe dem Gefühl auf den Grund. Möchte ich konsumieren weil ich mich gerade einsam fühle? Dann treffe ich mich an dem Tag mit Freunden. Oder ich treffe mich bei Bedarf mit einem engen Freund und "schütte mein Herz aus". Die Beziehungen in denen ich wirklich offen reden kann habe ich erst seit der Abstinenz kultiviert.
Wenn ich mich überfordert fühle mit Aufgaben räume ich mein Zimmer/Wohnung auf und mache mir eine Liste mit Sachen die ich erledigen muss, und dann arbeite ich die einfach ab. Dann fühle ich mich mit 100 prozentiger Erfolgsquote richtig gut am abend.

31. Wie wirkt sich Ihr geändertes Verhalten auf Sie, Ihr Leben und Ihr Umfeld aus?

Äußerst positiv. Wie schon oben beschrieben hat sich mein Leben auf jeder Ebene positiv entwickelt, und ich fühle mich trotzdem ganz am Anfang meiner Reise.

32. Haben Sie nach der Auffälligkeit weiterhin Kontakt zu Ihren Drogenbekannten gehabt und haben Sie diese Kontakte noch?

Ich hatte auch damals kaum noch Kontakte in die Szene, von meinen jetzigen Freunden konsumiert kein einziger illegale Drogen.

33. Wie ist derzeit der Konsum von Alkohol bei Ihnen? Was wissen Sie über Suchtverlagerung und wie schätzen Sie Ihre eigene Gefährdung der Suchtverlagerung ein?

Suchtverlagerung ist bei mir absolut Null. Als ich mit der Abstinenz angefangen hatte habe ich für einige Monate keinen Tropfen getrunken. Seit ich wieder ein gesundes Sozialleben habe gehe ich auch wieder öfter in die Stadt in Bars oder Clubs, aber auch nicht öfter als 2 mal im Monat. Auch dort trinke ich meist nur 3 - 4 Biere.

34. Wie stellen Sie sicher, dass Ihr neues Verhalten dauerhaft stabil bleibt?

Im Endeffekt lebe ich mein Leben weiter. Es müsste schon gewaltig etwas schiefgehen damit ich wieder Lust darauf habe Cannabis zu konsumieren und dann den Schritt zu gehen das auch tatsächlich zu machen.
Die größte Gefahr für mich wäre den einmaligen Konsum zu unterschätzen, nach dem Motto "Komm schon, jetzt hast du fast zwei Jahre nicht gekifft und dein Leben im Griff, da kannst du da jetzt schon mal mitrauchen". Das kommt für mich jedoch überhaupt nicht in Frage, ich habe das echt schon einige Male gemacht und jedes Mal hat es mich extrem zurückgeworfen.
Ganz abgesehen davon finde ich die Wirkung echt nicht mehr reizvoll bzw beschissen. Wenn ich an die Zeit zurückdenke sind das eigentlich alles negative Erinnerungen mittlerweile. Wenn ich vor drei Jahren an die Anfangszeit des kiffens gedacht habe, bin ich ganz nostalgisch geworden, mittlerweile kommt es mir wie verschwendete Zeit vor und ich habe auf keiner Ebene Lust zurück in diese Zeit zu gehen, so sorglos und ausgelassen sie auch war.

35. Was für Pläne haben Sie für die Zukunft? Beruflich, privat, Fortbildungen etc.....

Selbstständigkeit nach 3 - 5 Jahren Berufserfahrung. Hier ins Detail zu gehen würde mir zu viel über mich verraten, habe hier jedoch viel zu erzählen.

36. Können Sie sich vorstellen, jemals wieder in Ihre alten Gewohnheiten zurück zu fallen?
(Ja/Nein + Begründung)

Nein, absolut nicht. Ich habe gelernt anders mit Herausforderungen und Problemen umzugehen, nämlich indem ich sie angehe. Das hat mein Leben so nachhaltig verbessert dass ich eine starke Abneigung gegen meine vorherige Lebensweise entwickelt habe. Ich bin sehr "hungrig" in dem Sinne dass ich etwas in meinem Leben erreichen möchte, Cannabis passt da einfach überhaupt nicht mehr rein.

37. Wie wollen Sie fahren und Konsum künftig trennen? (auch bei Alkohol, ... in Bezug auf BTM nur bei Cannabis und ggf. konkrete Vorstellungen hierzu)?

Gar nicht, möchte Cannabis nie wieder konsumieren.

38. Haben Sie zum Abschluss noch etwas hinzuzufügen?
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Kai R.
Beitrag 08.12.2019, 11:30
Beitrag #8


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Hallo,

einige Kardinalfehler drin. Nicht sagen, dass Du mehrfach aufgehört hast, stelle es als Phasen unterschiedlicher Konsumintensität dar. Aufhören wollen und es nicht schaffen ist ein Suchtkriterium. Du trinkst heute auch keine 3-4 Bier.

Die Darstellung der Konsummotive ist noch diffus. Ich würde hier mal weiter nachdenken:
Zitat
was ich an der Stelle vielleicht dazusagen muss ist dass ich immer gedacht hatte dass mal "was aus mir wird". Viele meiner Familienmitglieder sind finanziell sehr erfolgreich und ich war früher meist Klassenbester. Wenn mein 18 jähriges Ich den 23 jährigen Versager gesehen hätte zu dem ich mich entwickelt hatte, hätte er es nicht glauben können.


Deine Verhaltensänderung solltest Du noch tiefer darstellen. Was hast Du erlebt (Beispiele), was war schwer, was leicht? Wie gehst Du heute mit dem Motiv um?

Insgesamt ist das aber nicht hoffnungslos, Deine Veränderungen wirken glaubwürdig. Ich meine, man kann das riskieren.


--------------------
Grüße

Kai
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Dorean
Beitrag 08.12.2019, 16:44
Beitrag #9


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Vielen Dank für den Input, sehr hilfreiche Kritik!

Ich habe hier die betreffenden Antworten bearbeitet/neu verfasst:

8. Wie sah Ihr Konsummuster aus?
(was und wie viel wurde in welchem Zeitraum auf welche Weise und ggf. in welcher Reihenfolge konsumiert; sämtliche psychoaktive Substanzen, z. B. illegale Drogen, Alkohol, Medikamente)

Mein Konsummuster war über die Jahre relativ inkonsistent. In der Anfangszeit habe habe ich nur manchmal am Wochenende konsumiert und mir auch selber nichts gekauft. Über die Jahre habe ich mich jedoch immer mehr zum Dauerkonsumenten entwickelt. Ich habe zwar immer nur gekifft wenn schulisch nichts anstand, aber ab der zwölften Klasse habe ich fast täglich abends etwas geraucht, ob alleine oder mit Freunden.

14. Warum haben Sie nicht schon früher eine Lösung gesucht?

Mir war nicht bewusst wie sehr Cannabis mich eingeschränkt hat, zumal ich immer dazu in der Lage war in der Schule/Arbeit die Leistung zu bringen die ich bringen musste. Wenn ich lernen musste hatte ich beispielsweise keine Probleme damit auf Cannabis zu verzichten, habe dann jedoch Abends meist trotzdem konsumiert.

19. Gab es Zeiten mit Konsumverzicht (Konsum- und/oder Trinkpausen)? Wenn ja, warum?

Es gab keinen bewussten Konsumverzicht per se, der Konsum war jedoch Phasenweise mal intensiver und mal weniger intensiv. Während der beiden abgebrochenen Studiengänge hat es sich einfach ergeben dass ich weniger gekifft habe, da ich einfach viel mit lernen und meinem Nebenjob zu tun hatte. Phasen des ausgeprägten Konsums waren vor allem Zeiten in denen ich viel Freizeit hatte wie beispielsweise die Sommerferien, hier habe ich teilweise täglich geraucht und auch schon Nachmittags angefangen.

26. Beschreiben Sie den Punkt, an dem Sie sich für ein abstinentes Leben entschieden haben (Knackpunkt)?

Die Zeit vor meinem 23. Geburtstag war eine sehr dunkle für mich, ich hatte praktisch keine Freunde und keine Hobbys, hatte seit zwei Jahren nichts mehr mit einer Frau, habe nur zuhause abgehangen und vor dem Bildschirm gekifft. Meine Wohnung war unordentlich, ich habe mich ungesund ernährt, keinen Sport gemacht, hatte einen Scheißjob und fast kein Geld, zwei abgebrochene Studiengänge und stand gefühlt vor einem gescheiterten Leben. Und dann bin ich 23 Jahre alt geworden. Da sind viele Leute schon "erwachsen", haben einen tollen Job und führen ein selbstbestimmtes Leben. Im Gegensatz dazu war ich ein Sklave meiner niedersten Triebe und habe absolut nichts dafür getan im Leben voranzukommen.

Ich hatte mir immer eingeredet dass das nichts mit dem kiffen zu tun habe, ich hatte ja keine Probleme damit auf das kiffen zu verzichten wenn ich z.B. lernen musste. Aufgrund verschiedener Faktoren die sich bis zu dem Zeitpunkt aufgebaut hatten und an meinem Geburtstag kulminierten (Versagensängste, Frustration darüber dass ich seit Jahren nicht vorankomme, war in einer meiner intensivesten Konsumphasen) musste ich mir eingestehen dass es tatsächlich zum Großteil Cannabis und mein Umgang damit war, was mich an meiner persönlichen Entwicklung gehindert hat. Ich habe nur auf äußeren Druck reagiert, also Leistung gebracht wenn ich "musste".

Das war einfach absolut nicht mit meinen Zielen vereinbar. Dadurch dass ich als ältestes Kind in einer Unternehmerfamilie aufgewachsen bin und auch schulisch stets sehr guten Erfolg hatte, hatte ich immer einen relativ blinden Optimismus was meine Zukunft und mein Potential anging. Ich würde sagen das an meinem 23. Geburtstag und den darauffolgenden Tagen meine Traumwelt zum ersten Mal richtig mit der realen Welt kollidiert ist, was zunächst eine schmerzhafte Erfahrung war aber mich aus meiner Sicht perfekt auf eine erfolgreiche Abstinenz vorbereitet hat wink.gif

28. Wie haben Sie die Umstellung zur Abstinenz erlebt? Was war schwierig, was war leicht?

Der Konsumverzicht selbst war gerade zu Anfang recht einfach. Ich hatte zwar immer wieder Momente in denen ich konsumieren wollte, aber ich hatte recht starke negative Emotionen was den Konsum anging. Ich bin seit der Abstinenz nicht mal ansatzweise in "echte" Versuchung gekommen etwas zu konsumieren. Es gab natürlich Momente in denen ich Lust hatte, vor allem wenn mir langweilig war oder ich mich einsam gefühlt habe. Meine Familie und Bücher waren in der Anfangsphase eine große Stütze, ich hatte vor der Abstinenz schon lange kein Buch mehr gelesen, während ich in meiner Kindheit/ frühen Jugend extrem viel gelesen hatte. Auch meine Familie hatte ich stark vernachlässigt, nach dem Beginn der Abstinenz jedoch verstärkt den Kontakt gesucht. Auch heute noch treffe ich mich fasst jedes Wochenende mit meiner Familie um gemeinsam zu essen etc.

Die mit Abstand größte Herausforderung war für mich also tatsächlich alternative Beschäftigungen zu finden, bzw ein Leben zu schaffen in dem gar kein Bedürfnis nach Cannabis aufkommen würde. Mir war nie bewusst gewesen wie viel Zeit ich tatsächlich mit dem Kiffen verbracht habe, und wie einsam ich mich ohne Cannabis gefühlt habe. Ich hatte zu der Zeit so gut wie keine Freunde mehr, bzw war der Kontakt mit meinen bestehenden Freunden so gut wie nonexistent.

Die stärksten Veränderungen haben sich erst mit Beginn des Studiums gezeigt. Ich habe relativ schnell Kontakte geknüpft, aus Lerngruppen haben sich Freundschaften entwickelt und ich habe wieder Kontakt zu zwei alten Freunden aufgenommen (Beide konsumieren kein Cannabis, einer der Freunde ist jedoch der aus Berlin mit dem ich früher viel konsumiert habe. Er konsumiert aber schon länger als ich kein Cannabis mehr und lebt ein erfolgreiches Leben, soll ich das trotzdem verschweigen?).

23. Was konsumieren Sie seitdem und wie viel (Drogen, Alkohol, Medikamente)?

Ich trinke nur sehr selten Alkohol und wenn, nur 1-2 Biere oder mal ein Glas Wein. Ich gehe auch nur sehr selten in Bars und treffe mich stattdessen viel lieber bei Freunden und mache dort z.B. einen Spieleabend.

Könntest du mir evtl nochmal sagen an welcher Stelle ich an der Beschreibung meines Konsummotivs arbeiten soll? Bzw wo meine Beschreibung unschlüssig oder unpräzise erscheint?

Der Beitrag wurde von ulm bearbeitet: 08.12.2019, 17:53
Bearbeitungsgrund: Unnötiges Vollzitat des Vorposting gelöscht
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Kai R.
Beitrag 08.12.2019, 19:06
Beitrag #10


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Die Motive sind eher ein Sammelsurium. Ich fragemich auch, was der familiäre Druck und die Erwartungen von außen damit zu tun hat. Es wäre nicht unwahrscheinlich, dass der Konsum auch ein Ausweichen vom äußeren und inneren Druck darstellte.

Die anderen Änderungen sind gut. Die Tatsache des Ex-Konsumenten würde ich weglassen.


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Kai
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Dorean
Beitrag 08.12.2019, 22:07
Beitrag #11


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Es gab mehrere Gründe für meinen Konsum, zu Anfang weil es aufregend und "cool" war, später dann war mein Konsum auch stark dadurch bedingt dass ich (1) nicht wusste was ich sonst mit mir anfangen soll und (2) weil ich damit negative Gemütszustände ausgleichen wollte.
Diese waren vor allem (2.1) Gefühle der Einsamkeit und (2.2) ein relativ starker Erfolgsdruck der sich einerseits aus meinen eigenen, relativ hohen Erwartungen an mich selber ergab und andererseits durch den Druck den meine Familie direkt und indirekt auf mich ausübte. Hier hat mir vor allem einerseits der (unausgesprochene) Vergleich zu meinen Geschwistern und Cousins/Cousinen und andererseits die Enttäuschung meines Vaters und Großvaters über meine Stagnation unterbewusst Druck gemacht.

Klargeworden ist mir das Ganze jedoch erst in der Retroperspektive. Wenn mich damals jemand nach dem Grund für meinen Cannabiskonsum gefragt hätte, wäre meine Antwort gewesen dass es mich entspannt. Das entsprach zwar auch der Wahrheit, allerdings ist Spannung nicht etwas negatives per se, im Gegenteil, das richtige Maß an Spannung ist denke ich sogar nötig um gewisse Ziele erreichen zu können.

Ich habe auch Flucht vor Verantwortung als Konsummotiv angegeben, diese ist jedoch in 2.2 enthalten.

Ich habe noch zwei Fragen von denen ich Hoffe dass sie mir heute noch jemand beantworten kann: Einerseits zur Berechnung der Fahrten unter Drogeneinfluss und andererseits ob meine Erklärung warum ich nicht schon früher mit der MPU angefangen habe passt(Führerscheinentzug war Oktober 2014).
Also zur Berechnung, ist da die ungefähre Zahl der Fahrten die innerhalb von 48 Stunden nach Konsum stattgefunden haben gefragt?

Und zur Erklärung: Ich habe nach der Auffälligkeit zunächst weniger konsumiert, jedoch relativ bald wieder normal weitergemacht. Mir war nicht bewusst dass eine MPU angeordnet werden würde da ich damals nach dem Gespräch mit der Polizei dachte dass es bei dem einmonatigen Führerscheinentzug bliebe. Als mir der Führerschein dann im Oktober 2014 entzogen wurde, hatte ich keine Zeit mehr eine 12-monatige Abstinenz nachzuweisen da ich ab August 2015 ein Auslandsjahr machen wollte bzw gemacht habe.
Danach bin ich für das Studium in eine größere Stadt gezogen wo ich kein Auto gebraucht habe, zudem hätte ich mir als Student ohnehin kein Auto leisten wollen. Ich hatte mich zu dem Zeitpunkt auch schon daran gewöhnt nicht mehr mit dem Auto fahren zu können mir so dass mir das auch nicht so wichtig war. Selbst jetzt ist der Führerschein gar keine so wichtige Motivation, die Abstinenz war hauptsächlich durch bereits geschilderte Gründe motiviert.
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Kai R.
Beitrag 08.12.2019, 22:38
Beitrag #12


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Die Frage, warum Du erst jetzt die MPU angehst, wird nicht kommen. Du warst noch nicht soweit, das passt ja. Die Berechnung der Drogenfahrten passt auch. Motive sind auch gut jetzt. Das kann klappen morgen.


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Kai
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Dorean
Beitrag 08.12.2019, 23:31
Beitrag #13


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Ok, vielen Dank für die Hilfe! Werde auf jeden Fall berichten wie es gelaufen ist.
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